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2000

Sophiensaele | Berlin
Tokyo Subway




von Frank Janssen
frei nach Haruki Murakamis Underground

Inszenierung Dirk Cieslak

Von und mit
Miriam Fiordeponti Moderatorin
Stefanie Frauwallner - Gina/Aktienhändlerin
Klara Höfels - Anne/Ärztin
Uta Müller-Frank - Maria/Witwe
Ursula Renneke - Mercedes/Spanischlehrerin
Vanessa Stern - Natalja/Angestellte
Niels Bormann - Tom Wada/Bahnhofswärter
Godehard Giese - Robert/Fahrer
Jörg Schiebe - Ted/Regierungsbeamter
Rainer Sellien - Murat Hassem/Literat
Josef Bilous - Heinrich/Lagerverwalter

Text /Dramaturgie - Frank Janssen
Bühne - Kerstin Eichner
Kostüm - Katharina Montag + Thorsten Osterberger
Choreografie - Thomas Langkau
Mitarbeit - Martin Clausen + Armin Dallapiccola
Dokumentation - Denis Engel
Produktionsassistenz - Suzanne Jeschke-Muller
Hospitanz - Kirstin Böttcher
Produktionsleitung - Amelie Deuflhard



Tokyo. Montag morgen, 20.März 1995 - Rush-Hour. Vier Mitglieder der AUM Shinrikyo Sekte zerstechen sieben mit Saringas gefüllte Plastikbeutel in der U-Bahn. Dem auf Befehl des Sektenführers Asahari inszenierten Vorgriff auf die kommende Apokalypse fallen 12 Menschen zum Opfer, 3800 Menschen erleiden ernsthafte gesundheitliche Schäden.


Haruki Murakami, einer der bedeutendsten Autoren Japans, dessen letztes Buch “Gefährliche Geliebte” das “Literarische Quartett” sprengte, war schockiert und fasziniert von dem schrecklichen Vorfall in der Tokyoter U-Bahn. Er hat daraufhin versucht, mit so vielen Betroffenen wie möglich über den Vorfall und die Folgen auf ihr Leben zu sprechen. Aus Angst vor Nachteilen und aus Schamgefühl waren nur 63 Menschen bereit, seine Fragen zu beantworten.
Tokyo Subway von Frank Janssen basiert auf den Inter-views mit den 63 Betroffenen des Saringasanschlags auf die Tokyoter U-Bahn, die Haruki Murakami in seinem ersten Non-Fiktion Buch Underground (Andaguraundo, 1997) dokumentiert hat. Murakami stellt den stereo-typen Mediendarstellungen, die die bösen Gesichter der Täter zeigten und nur eine Masse von Opfern skizzierten, die kleinen Geschichten der Betroffenen gegen-über. Es sind Geschichten, die einen tiefen Einblick in das alltägliche Leben der japanischen Gegenwart geben.


In Tokyo Subway verfolgen eine Moderatorin, eine Psychotherapeutin und ein Schriftsteller ihre jeweils eigenen Strategien, um von den acht Betroffenen Antworten auf die Frage zu bekommen, was an diesem Morgen in den überfüllten U-Bahnen passiert ist.


In einer konfliktreichen Dynamik entfalten sich die kleinen, manchmal komischen Geschichten, die das große Bild zu geben versuchen. Es bleiben mögliche Geschichten: Von Gina, die an der Börse mit Sojabohnen handelt und die unvermittelt in den Verdacht gerät, etwas mit der AUM-Sekte zu tun zu haben - Ted dem verhinderten Flieger, der jetzt Angestellter im Verteidigungsministerium ist - von Tom, dem eifrigen U-Bahnangestellten, der mit Robert dem Fahrer eines TV-Teams vehement darüber streitet, ob der Bahnhofvorsteher Kowalski vor oder im Krankenhaus gestorben ist - Maria, die die Leiche ihres Mannes nicht berühren durfte und die verzweifelt wissen will, was in den letzten Momenten seines Lebens geschah - dann sind da noch die coole Natalja, und Mercedes ...




"Schauspielerische Glanzleistungen unter der Regie von Dirk Cieslak... Einblicke in die Abgründe des menschlichen Daseins."
Volksblatt Leipzig, 27.10.2000


"Der Moment des Schocks wird nicht illustriert, sondern unspektakulär, retrospektiv aus der Erinnerung, die nicht vergangen ist, evoziert und dabei immer wieder gekoppelt mit Erinnerungen an das normale, scheinbar ungefährdete Leben, das der Schock auseinander gerissen hat... Die Überschneidung kultureller Grenzen dürfte nicht zu den geringsten Reizen der Inzenierung zählen..."
tip, Nr.21/00


"Dirk Cieslaks Inszenierung vermeidet jede theatralische Zuspitzung, der Schrecken des Attentats wird nicht szenisch illustriert, er schwebt nur als verstörende Erinnerung im Raum und durchdringt die Redefetzen der Überlebenden... Diese hilflosen Versuche, nach dem Schock Normalität zu behaupten, das sind das beängstigende Zentrum der Inszenierung."
Tagesspiegel, 17.10.2000


"Die Inszenierung schält die Schutzschichten ab, hinter die sich die Erinnerung der Überlebenden zurückgezogen hat."
Berliner Zeitung 17.Okt.2000


"Mit Tokyo Subwaynach Dokumenten von Haruki Murakami gelang Dirk Cieslak in den Sophiensaelen ein großartiges Stück über den Giftgasanschlag im März 1995...
Der Abend... ist die atemberaubende Synthese seiner bewährten neorealistischen Form mit intensivem Inhalt
gelungen...Ein Meisterwerk."
TAZ, 17.Okt.2000

"Obwohl Tokyo Subway nur die Aussagen der einzelnen Akteure aneinander reiht und so ohne Handlung und inneren Spannungsbogen auskommen muss, bringt Regisseur Cieslak eine spannende Aufführung auf die Bühne. Die Schauspieler entwickeln ihre Rollen mit viel Gespür fürs Detail."
Münsterische Zeitung 30.10.2000


"Geistreiche und bis ins Detail einstudierte Mimik sorgen zusammen mit der markanten Garderobe der Schauspieler dafür, dass das Ausgangsthema des Stücks deutlich wird: Es ist die Kritik am Alltag der eis-kalten Angestelltengesellschaft, in der die arbeitende Bevölkerung menschliche Züge verliert. Diese Sterilität und diesen Individualismus inszeniert Dirk Cieslak meisterhaft."
Westfälische Nachrichten 30.10.2000


"Vor dem Hintergrund der kulturellen Differenz zwischen Japan und Abendland... erfinden die Darsteller je eigene Masken der Selbstkontrolle, erforschen die Grenze zwischen totaler Isolation und dem Wunsch, sich dennoch ein- und unterzuordnen."
Die Welt 04.11.2000

Eine Produktion von Lubricat, den Sophiensælen
und dem Pumpenhaus Münster

Mit Unterstützung des Programms Japan in Deutschland und dem Schauspiel der Hochschule der Künste Berlin

Gefördert durch den Fonds für Darstellende Künste aus Mitteln des Bundes und des Hauptstadtkulturfonds


Premiere 12.10.2000 sophiensäle, Berlin Download: tagesspiegel_17-10-2000.pdf
Link: japan links





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