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1998

Sophiensaele | Berlin
Ambitious Soap: Kleine Liebe | Renates Traum | Wiese fickt Baum




Ein dreiteiliger Theaterabend: Boy meets Girl in den 70er, 80er und 90er Jahren.


Inszenierung Dirk Cieslak


Part 1/Kleine Liebe - nach John Cassavetes/ The Killing of a Chinese Bookie
Mit Judica Albrecht und Armin Dallapiccola

Part 2/ Renates Traum - nach David Lynch/Blue Velvet
Mit Petra Bogdahn, Niels Bormann und Armin Dallapiccola

Part 3/Wiese fickt Baum - nach Quentin Tarantino/Reservoir Dogs
Mit Bettina Hoppe und Niels Bormann

Special Appearence/ RyanHill

Musik - Ignaz Schick -
Künstlerische Mitarbeit - Carmen Ott-Neuhaus


Ambitious Soap setzt sich mit drei Film-Klassikern der Gegenwart auseinander. In kleinen Versuchsanordnungen, Boy meets Girl, versuchen wir die Atmosphäre - die Ästhetik, die zentralen Themen und Motive der Filme in den Theaterraum zu transformieren.

Part 1/Kleine Liebe
John Cassavetes/ The Killing of a Chinese Bookie ist ein Experimentalfilm. Er bricht alle Gesetze des Genres Thriller. Schnitt, Kameraführung und Licht verweigern sich den Genre-Konventionen. Die Geschichte und der Plot treten völlig in den Hintergrund, sind bestenfalls zu erahnen, alles 'Mitreißende' der Bilder erodiert, und zu Tage tritt eine triste Welt der Oberfläche, bevölkert von Einsamen, die nach Glück suchen. Der Wunsch nach Glück wird nicht direkt thematisiert sondern beständig von einer 'Leere' ausgeschwitzt.

Part 2/Renates Traum
David Lynch/ Blue Velvet ist ein modernes Märchen. Es handelt von Gut und Böse. Von der Anziehung des Bösen, von der Versuchung durch das Böse und von der Vermischung von Gut und Böse.Es gibt keine psychologischen Motive, keine Verwicklungen, keine Hintergründe, die die Handlung vorantreiben. Alles was wir sehen, ist was es ist, nicht mehr. Es entfaltet sich eine gute Oberwelt in schönen hellen Farben und eine verbotene böse Unterwelt in dunklen gedeckten Farben. Oft fast Standbilder. In dieser Klarheit und Einfachheit wird der Drive und die Handlung sekundär. Die Perspektive des Films hat etwas kindlich-naives. Blue Velvet fixiert den Moment des 'Staunens' über die Welt. Nicht was die Dinge und Menschen verborgen halten, sondern daß sie überhaupt existieren, ist das Rätsel.

Part 3/Wiese fickt Baum
Quentin Tarantino/ Reservoir Dogs ist ein Film über die Gewalt. Der Film erzählt in Rückblenden bruchstückhaft die Geschichte einer Bande, die einen bewaffneten Überfall begangen hat. Dabei scheint der Film fast zu zerfallen in eine Reihe von Einzelszenen. Studien einer Welt von sich perfekt inszenierenden völlig vereinzelten Individuen, in der körperliche Gewalt zum selbstversändlichen Regulativ wird. Es ist ein Film über eine radikalisierte Vereinzelung, hier wird nicht mehr an einer Einsamkeit gelitten. Die Akteure sind nicht unmoralisch, sie haben im Gegenteil sehr genaue, formulierte Wertvorstellungen, aber diese sind nicht mehr durch eine Gemeinschaft garantiert oder auf diese gerichtet, sondern radikal individualisiert.


"Boy meets Girl - so der Untertitel der Produktion - erweist sich als leeres Versprechen: Die Paare der 70er, 80er und der 90er Jahre sind eitle oder brutale Autisten, die in ihrem eigenen Universum kreisen. Dies wird auf schönste deutlich, wo Lubricat seiner alten Strategie treu bleibt, stets den direkten Weg zu meiden und das Rätsel zu suchen..."
Taz, 23./24.5.1998

"Die ehrgeizige Seife", die Regisseur Dirk Cieslak in den Sophiensælen aus drei Filmklassikern gemacht hat, erweist sich als durchaus funktionstüchtiges Schmiermittel...So mancher Film wurde angeregt von Theaterstücken. Daß dieses Prinziph auch umgekehrt funktioniert, bewiesen schon Zadek und Castorf. Und jetzt ganz aktuell der vielbeklatschte Abend von Lubricat."
Berliner Morgenpost, 23.5.1998

"In der Zerlegung des Spiels in kleinste gestische Sequenzen, in der Widerholung kleinster Bewegungen, in ihrer Variation und in der Komposition aus Text und dem Tanz der Körperglieder begründet sich Cieslaks Stil. Feinsinnig richtet er den Focus auf jede Falschheit in dieser Harmonie. Cieslak will demaskieren und es gelingt ihm mit Witz und Schrecken."
Berliner Zeitung 23./24.5.1998

"Der Dreiakter mit latentem Pathos über Liebe, Enttäuschung und Brutalität geizt klugerweise mit Dekor...- aber die Schauspieler, die ihre Texte entrückt und mit einer Haltung sprechen, als ob die Bühne Mimikry mit der übermächtigen Filmschwester treibt. Niemand braucht die Filme zu kennen. Wer sie trotzdem schon gesehen hat und sich auf die Vergleiche einläßt, erfährt etwas merkwürdiges: die Bühne ist ein unerwartetes Kritik-Medium für den Film. Ganz so wie es der bekannte Literaturkritiker und Philosoph George Steiner schon immer vorgeschlagen hat."
zitty/stadtmagazin 11/1998


Koproduktion Theater am Halleschen Ufer,
Waschhaus Podsdam, Sophiensæle Berlin




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