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1993

Volksbühne Ost
Red, Blue and Yellow




Inszenierung Dirk Cieslak

Mit
Silvia Kesselheim - Gesang
Sygun Schenk - Tanz
Armin Dallapiccola - Schauspiel
Matthias Botsch - Piano-Saxophon

Bühne - Michael Bender
Kostüm - Uwe Meseberg
Licht/Technik - Horst Mühlberger


AIDS: Ein Freund - ein Sohn - ein Bruder ist gestorben.

Red, Blue and Yellow verarbeitet die Erfahrung mit dem Tod und der Krankheit eines an den Folgen von AIDS gestorbenen Freundes und Kollegen. Das Stück will nicht Realität abbilden oder einen voyeuristischen Blick auf einen Sterbenden eröffnen, sondern, aus der Perspektive der Lebenden, mit AIDS, Krankheit, Tod und Sterben konfrontieren.

In Red, Blue and Yellow werden die Elemente Gesang, Tanz, Text, und Musik zu einer Hommage an einen gestorbenen Freund montiert.
Das Liedrepertoire setzt sich zusammen aus Titeln von Cole Porter, David Bowie, Lou Reed, Gershwin u.a.. Die Texte basieren auf Interviews mit den Hinterbliebenen.

Das Bühnenbild wurde von dem bildenden Künstler Michael Bender - Gruppe Lolli POP Homo, Hamburg geschaffen.


Und die Moral von "Red, Blue and Yellow": Nähe, unbedingt, bedingungslos. Miterleben, hinsehen, teilnehmen bis zum Ende.
Theater heute, 10/93

Sommertheater am falschen Objekt -Eine fatale Grabesruhe zum Thema Aids liegt über dem deutschsprachigen Theater....-
Es sind oft eher gutgemeinte Versuche als ästhetisch überzeugende Lösungen. Eine rühmliche Ausnahme ist hierbei die Gruppe "Lubricat", die mit "Red, blue and yellow" einen harten und sehr persönlichen Versuch wagte, Trauer in eine strenge Ästhetik zu gießen, jenseits jeder Tränenseligkeit.
TAZ Berlin, 18.6.93

Sie psychologisieren nicht, sie abstrahieren und vermeiden so den Touch von Sentiment. Es gelingt, den Zuschauer in einen Sog zu ziehen, der von Gefühlsüberdruck weit weg ist.
Der Tagesspiegel, Berlin, 7.6.93

Die eigene Involviertheit und Betroffenheit ist durch die strenge Haltung hindurch jeden Moment spürbar. Hier ist der Tod etwas Wirkliches und die Trauer real.
Authentizität kann im Kunsterleben funktionieren- auch wenn die Theorien der Postmoderne das bestreiten.
TAZ, Berlin 10.6.93

Gerade diese Zurückhaltung, dieses Understatement gibt dem Zuschauer die Möglichkeit, sich anrühren zu lassen.
Armin Dallapiccola spricht Texte, die aufgrund von Gesprächen mit Angehörigen des aids-kranken Uwe entstanden - diese Authentizität merkt man ihnen auch an, kein falscher, gewollter Ton stört. Der Schauspieler trägt die Texte fast ohne Emotion vor, nur seine Körpersprache "verrät" innere Bewegung. Was von ihm nur angedeutet ist, wird von Sygun Schenk in deutliche, häßliche Körpersprache umgesetzt: hart, eckig, abrupt. Jeder Muskel zeichnet sich ab - selten wird die Körperlichkeit des Tanzes so bewußt.
Auch die Texte bekannter Liebeslieder, gesungen von Silvia Kesselheim bekommen in diesem Rahmen eine ganz andere Qualität, man hat sie nie zuvor so wahrgenommen.
Frankfurter Rundschau, 7.12.93

So stark eine solche Wiedergabe auf Tränentragik verzichtet, so stark versucht man als Zuschauer die emotionale Leerstelle des Vortrages zu füllen. Zurückzudenken an eigene Verluste, an eigene Trauer. Und um so stärker berührt dieser Abend.
Weser Kurier, Bremen, 29.11.93

Der Regiseur Dirk Cieslak hat Ihre Aktionen dicht nebeneinandermontiert, die Situation verfremdet, jede sentimentale Attitüde vermieden und mit diesen Mitteln eine Collage geschnitten, die fast schmerzhaft karg, die Situation zur Beklemmung steigert, um sie am Ende mit den Versen vom Schneider Böck aufzulösen. Der Tod auf der Bühne ist kein Spiel, sondern er wird zitiert.
Badische Neue Nachrichten, Karlsruhe, 7.12.93.

Ein AIDS-Stück ohne jede Betroffenheitssentimentalität, nüchtern vorgetragen wie ein Krankenbericht: Trotz der Zurückgenommenheit bietet "Red, Blue and Yellow - if you were still around " einen aufwühlenden Theaterabend.
Hamburger Abendblatt, 21.1.94

"Schnittig und schlüpfrig (man erinnert sich in diesem zusammenhang an deftige, homoerotische Szenen in Kushers Bühnenerfolg 'Angels in America') sind genau jene Attribute, die Dirk Cieslaks Inszenierung fremder nicht sein könnten. Wenn Dallapiccola in einsamen, abgezirkelten Gängen über die letzten Tage seines Freundes spricht, dann in der Art eines Chirugen über einen Exitus. Wenn Silvia Kesselheim Liebeslieder von George Gershwin bis Tom Waits singt, dann mit der Erotik einer Zahnärztin bei Ausübung ihrer Pflicht. Und die Tänzerin zeigt ihren Körper als Automaten oder als Besessene: Kunst-Akte. Cieslaks Ästhetik paart Ironie mit eisiger Sprödheit - und findet genau damit für das Unsagbare eine Sprache, die brennender nicht sein könnte.
Neue Züricher Zeitung, 1.7.94


Ein Projekt der Gruppe Lubricat in Zusammenarbeit mit der Künstlergruppe Lolli POP Homo, Hamburg, gefördert von
LIVE-AIDS - Eine Aktion der Zeitschrift MAX und der Hamburger AIDS-Hilfe, Senator für Kultur und Ausländerintegration der Stadt Bremen, Behörde für Arbeit, Gesundheit und Soziales, Hamburg, Fonds Darstellende Künste e.V., Essen, Deutsche AIDS Hilfe (DAH), Berlin.


Premiere 5.6.93 in der Volksbühne am Rosa-Luxemburg-Platz, im Rahmen der Internationalen AIDS-Konferenz, Berlin.




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