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1992

Kampnagel | Hamburg
September




Frei nach der Septembernovelle von Arnolt Bronnen.

Inszenierung Dirk Cieslak

Silvia Kesselheim - Weib I
Miriam Fiordeponti - Weib II
Armin Dallapiccola - Mann I
Ralf Knicker - Mann II

Bühne - Petra Korink
Kostüme - Uwe Meseberg
Ton - Dieter Fenchel
Licht - Michael Wagner

Das "geile" Fleisch des Weibes, der Schoß der "unreinen Natur" ekeln den Mann. Die Erde riecht nach Verwesung, die Toten greifen daraus nach den Lebenden. Nur der Fels der Gebirge schützt vor den Toten. Mit seiner ungebundenen Vitalität und der Schönheit seines glatten, reinen, jeder Vergänglichkeit enthobenen Körpers, löst der Knabe ein hemmungsloses Begehren aus. Dieses Begehren läßt alle Regeln der "Sitte" vergessen. Am reinen Marmorkörper des Knaben findet der Mann Lust. Lust eine reine energetische Kraftentfaltung.

Ein erlösender Horizont tut sich auf, bestimmt von den Phantasmen der absoluten heiligen Reinheit und totaler Energie - die Mobilisierung aller Kräfte.

Der Akt der "absoluten" Überschreitung hin zu einem "heiligen" Zustand führt in den Abgrund. Tod, Mord und Selbstmord sind der Preis für den Griff nach dem Ideal. Die Frau schlitzt den Knaben und ertränkt sich, der Mann stürtzt in eine Tiefe.

September ist ein Theaterabend über die Phantasmen einer mann-männlichen Kultur, wie sie als Rettung vor einer "katastrophischen" Moderne im Schatten des ersten Weltkrieges durch Europa geisterte.
Ein Alptraum von Energie, Reinheit, Ekel und Tod.


Es scheint fast so, als hätten hier die Riefenstahl und der Fassbinder ein gemischtes Doppel zusammenstellen wollen.
Weser Kurier, 10.4.92

Daneben, aber gekonnt...Ihre Tänzer/Innen machen aus präziser Körpersprache ein surreales Bildertheater zwischen Max Ernst und dem weiten Himmel der Worpsweder.
taz, Bremen, 10.4.92

Gezeichnete, verwirrte Zombies sind sie alle, die langsam verblühende Schlampe, die närrische Dirndl-Prinzessin oder der markige Kerl, der sich Erlösung verspricht, wenn er das Machogehabe gegen die Demütigung durch den jungen Knaben eintauscht.
Hanburger Rundschau, 26.3.92

Begleitet durch Geräuschkulissen aus Naturlauten, emsigen Bienengesumme und schwül drohender Gewitterstimmung, nehmen zwei Weiber und zwei kernig lederbehoste Männer den Geschlechterkampf auf...Das Ende ist blutiges Desaster. In der Novelle. Auf dem Theater. Und in den Zuschauerköpfen.
Hamburger Abendblatt, 21.3.92


Koproduktion mit der Internationalen Kulturfabrik Kampnagel, Hamburg
Gefördert durch den Senator für Kultur Bremen

Premiere 19.3.1992, Kampnagel, Hamburg




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