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2011

Premiere [at] Vierte Welt
sale | Ich will ein Kind haben




Premiere | Freitag 25. Nov. 2011 | 20:00 | Vierte Welt

sale | Ich will ein Kind haben

Eine Produktion zu Reproduktion und Kinderwunsch von Lubricat in Kollaboration mit Konstanze Schmitt

sale | Regie: Dirk Cieslak I von und mit Mariel Jana Supka
Ich will ein Kind haben | Regie: Konstanze Schmitt | von Sergej Tretjakow mit Antje Widdra
Raum: Olf Kreisel | Kostüm: Anika Schmitz | Video: Ana Ticak | Produktionsleitung: Hendrik Unger | Dramaturgie: Annett Hardegen


sale beschäftigt sich mit dem Kind als Ware. Von individuellem Kinderwunsch getrieben und durch diesen offensichtlich völlig legitimiert, existiert an den Rändern, den Übergängen zur Normalität und zum Alltäglichen ein exklusives Handelsgut. Die Produktion von Kindern ist Dienstleistung in globaler Arbeitsteilung geworden. Künstliche Befruchtung in Spanien, Eispende aus den USA, Leihmütter aus Indien usw. sind die modernen liberalen Wege zur Befriedigung des Kinderwunsches. Ende der 90er Jahre wurde Rumänien zum Supermarkt für Adoptionen in die USA, Spanien, Frankreich, Italien und Irland. Der ehemalige EU-Kommissar Verheugen sprach in diesem Zusammenhang von einer Kinderbeschaffungspolitik. In den Zentren der Macht und des Reichtums können Kinder noch ganz konventionell per Katalog bestellt und bezahlt werden. Das Verlangen nach einem Kind wird auch von Sergej Tretjakow in seinem 1924 entstandenen Stück Ich will ein Kind haben thematisiert.
Hier ist es die vorbildliche Kulturfunktionärin Milda, die allerdings erst für die richtigen Voraussetzungen sorgen muss: der Erzeuger des Wunschkindes soll gesund und zu 100% Proletarier sein; wenn die Empfängnis vollzogen ist, ist der Vater nicht länger nötig. Er wird von Milda bloß als Mittel zur Erlangung der Mutterschaft gesehen, ganz pragmatisch und rational - aber keineswegs zynisch - als (Re-)Produzent engagiert. In Mildas neuem Begehren vereinigen sich ihr individueller Wunsch nach einem Kind und ihr Eifer zur Gestaltung einer neuen Gesellschaft. Sie ist eine Pionierin, der Prototyp der modernen sowjetischen Frau, die sich über moralische Schranken hinwegsetzt und sich selbst und ihre Bedürfnisse in den Dienst einer programmatischen Utopie stellt.

Die Kombination von Tretjakows Ich will ein Kind haben mit der Stückentwicklung sale setzt die beiden divergierenden Konzepte vom Kind als Ware und/oder Produkt in ein Verhältnis. Hier wie dort finden der behauptet natürliche Trieb nach Erhalt der Gattung oder die Biologie in einer radikalen gesellschaftlichen Überformung ihren Ausdruck: neue sozialistische Gesellschaft versus Liberalismus. Adoption, Kinderproduktion, das ideale Kind, In-vitro-Fertilisation usw. - das Kind erscheint als frei (ver-)handelbares Objekt im Raum der Ideologie, der Technik und Wissenschaft, des Konsums und der symbolischen Macht.


Gefördert durch den Regierenden Bürgermeister von Berlin - Senatskanzlei - Kulturelle Angelegenheiten.

Pressekontakt
k3 berlin | bureau@k3berlin.de | Tel. 030-695 695 24

Vorstellungen
Sa. 26.11 | Do. 08.12
Fr. 09.12 | Sa. 10.12
Do. 19.01 | Fr. 20.01 | Sa. 21.01
Fr. 27.1 | Sa. 28.01


Beginn | 20:00 | Bar + Kasse ab 19:30

Karten | 11€ | 7€ | 3€ Berlin Pass/Harz IV + Jugendliche unter 18 Jahren | karten@viertewelt.de oder # 01578 844 0941


VIERTE WELT | Kottbusser Tor
Neues Zentrum Kreuzberg | Galerie 1. OG | Zugang über Außentreppe Adalbertstraße 96 | 10999 Berlin
kollaboration@viertewelt.de | Vierte Welt





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